Stefanie Höll Temporary Setup

Stefanie Höll [97]
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Ich hatte noch nie Patience gespielt. Also bezahlte ich einen Mann, einen professionellen Spieler, damit er mir Unterricht im Patiencespiel gab. Er versuchte es mir beizubringen, allerdings ohne Erfolg, denn meine Fähigkeiten zu wählen reichte gerade dazu, zwei Karten nebeneinander zu legen und nichts darüber hinaus. Ich war ein Hund. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welche Karte ich wohin legen sollte. Also legte er. Er legte mir die schönsten Patiencen der Welt und offenbarte mir damit meine eigene verborgene Weltordnung, die zu verstehen ich mich zeit meines Lebens gesehnt hatte.

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Stefanie Höll [95]
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So widersprüchlich, tiefgründig und voll von solch formaler Schönheit waren diese nuancenreichen Strukturen, dass ich staunend zuschaute, wie E. peu à peu alle Flächen der Wohnung mit diesen wundervollen Mustern belegte. Anfangs nur in den Ecken, auf Sideboards, Tischen, Sofalehnen, später füllte ich Teile des Parketts damit. Als die ganze riesige Wohnung über und über bedeckt war, legte ich die zweite Lage, dann die dritte, so dass man die Muster nur mehr erahnen, nicht aber genau nachvollziehen konnte. Es waren unterseeische Bifurkationen in verschiedenen Zuständen, die miteinander interferierten und damit die Grenze zwischen offensichtlicher Ordnung und verstörendem Chaos bildeten, so dass ein verborgener Kosmos aus dem vorherigen erwuchs.

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