Stefanie Höll Temporary Setup

Stefanie Höll [93]
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E. legte mir die Vier, die Jagd, die kleine und die große Harfe, die Liebe und später, ganz am Schluss unserer merkwürdigen Beziehung sogar die ganz große Napoleon Patience. Vier, sechs, dann acht, neun, bis hin zu achtzehn Karten legte er und jedes Mal war ich von den verschiedenen Ornamenten am Boden aufs Neue verzaubert. Er stellte nur eine Bedingung: Das Blatt musste frisch, unberührt sein. Gebrauchte Karten fasste er nicht an. Ich reichte ihm Talon für Talon und er schaffte es, jedes Mal, wenn er da war, neue und neuartige und sich selbst ähnliche Systeme zu kreieren, die mich voller Erstaunen und Hoffnung zurückließen. Alles würde gut werden, alles würde gelingen. Das dachte ich mir jedes Mal, wenn E. mich nach seinen zweistündigen Besuchen auf meiner Decke zurückließ.

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Stefanie Höll [91]
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Anfangs animierte er mich dazu, es selbst zu versuchen, in der Hoffnung, dass ich unabhängig von ihm würde, aber bald gab er auf. Es machte mir weder Spaß noch war ich in der Lage, nur einen Bruchteil dieser Schönheit, dieser Verzauberung herzustellen, die mich an seinen Patiencen so faszinierten. Er sah eine höhere Ordnung im Chaos. Er offenbarte mir abgründiges Chaos in der vermeintlichen, von uns Normalsterblichen gut gemeinten und beschränkten Ordnung. Ich beschränkte mich darauf, ihm die Kartenspiele zu besorgen, die Päckchen, die geschlossenen Schachteln, die Kistchen und Etuis. Ich räumte fröhlich ab, im Spieleland, im Supermarkt, im Lotterie- und Zigarrengeschäft, in der Papeterie, jedes Mal wurde ich einfallsreicher. Zunächst legte ich ein, zwei Rommé-Spiele zu meinen Einkäufen, später wurde ich immer ungenierter und schob vier, sechs, manchmal zehn oder gar achtzehn Spiele zu Zeitung, Fisch, Kaffee, Schokolade dazu. Ein Liter Milch, zehn Kartenspiele, zwei Päckchen Zigaretten, zweiunddreißig Päckchen Rommé, die anderen Leute in der Schlange wurden neugierig und schauten. Ich knurrte dann und verteidigte die Tüte mit meinen prachtvollen Zähnen.

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