Stefanie Höll Temporary Setup

Stefanie Höll [87]
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Jedes Mal, wenn er zu mir an den großen grauen Tisch kam, redeten wir immer länger und intensiver über all das, was uns und unsere Welt betraf. Er erklärte mir, versuchte mir wenigstens zu erklären, was er denn mit seinen wunderschönen, autopoetischen Systemen ausdrücken wolle. Er hielt Vorträge über die unberechenbare Entwicklung unserer Patiencen, er redete über das Unvorhersagbare, die Unregelmäßigkeiten in den ästhetischen Nuancen, die sich zwischen Erklärbarem und Unaussprechlichem befanden. Ich fühlte, dass er mir etwas sagen wollte, durch die Blume gewissermaßen, schonend, zwischen den Zeilen, aber ich verstand nicht, was er meinte. Ich kreuzte meine Pfoten, hob die Augen, spitzte die Ohren und legte meinen Kopf schief. Sah ihn verständig an. Aber, ich war ein Hund, meine Nase reagierte nur auf etwas, das nach Fressen roch. Geistige Inhalte rochen nach nichts und das konnte ich nicht verstehen, so sehr ich mich auch bemühte. Er legte weiter und ich fing die Stubenfliegen, kratzte mich mit der Hinterpfote am Ohr.

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Stefanie Höll [85]
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Doch nach einiger Zeit intensiver Gespräche und dem geduldigen Legen immer fragilerer Gebilde begann ich zu fühlen, dass sein Interesse nachließ, er sprach es nicht aus, doch es hing wie ein grauer trister Nebel zwischen uns. Irgendwann, das sah auch ich ein, würden wir es aufgeben müssen, sonst würde er sich zum Prostituierten machen, das wusste ich. Als dies alles absehbar wurde, bat ich ihn wedelnd, doch wenigstens all die Stapel der Kartenspiele, die neu waren und die ich extra für ihn besorgt hatte, zu Ende zu legen.

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